Die Gemeinde Budenheim im Wandel der Zeit
von Heribert Schäfer
Der römische Einfluss, ausgehend von der obergermanischen Hauptstadt Moguntiacum, war auch im Umfeld der kleinen Ansiedlung von Budenheim festzustellen. Forschungen ergaben, dass es in der Budenheimer Gemarkung vier nachweisbare römische Siedlungsstellen gab. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sogar mehr waren. Die Größe der damaligen Garnisonsstadt Moguntiacum wird zeitweise sogar auf 50.000 Einwohner geschätzt. Für die Verpflegung der römischen Legionäre war daher der landwirtschaftliche Ertrag von den außerhalb gelegenen Gutshöfen, wie die von Budenheim, zwingend notwendig. Im 3. Jahrhundert verdrängten eindringende Germanenstämme die Römer. Dazu zählten auch die Franken, die vom Norden her kamen. Urkundlich wird Budenheim als »Butenheim« in einer Auflistung der Besitztümer , die das Kloster Lorsch in und um Mainz hatte, im »Codex Laures Hamensis« (Urkunde-Nr. 1977) aufgeführt. Diese Auflistung befindet sich, wie alle Urkunden der Fürstabtei Lorsch, im Staatsarchiv Würzburg und ist im Zeitraum von 1100 bis 1200 nachträglich erstellt worden. In der Randbemerkung dieser Urkunde sind die drei ersten Äbte der Lorscher Abtei, Gundeland (765 - 778), Richbod (784-804) und Adalung (808-834), aufgeführt. Im Gegensatz zu vielen rheinhessischen
Gemeinden, die sich auf eine urkundlich datierte Schenkung an das Benediktinerkloster berufen können, trifft dies auf Budenheim nicht zu. Es kann aber auch damit begründet werden, dass mit der Gründung des Altmünsterklosters durch Bilhildis um 700 in Mainz recht zeitnah auch ein Klosterhof (Zehnthof) in Budenheim angelegt worden war. Die Herkunft des Ortsnamens »Budenheim« ist wahrscheinlich auf die Bezeichnung »Buode« (mittelhochdeutsch für Wohnung, kleines Haus) zurück zuführen. Jene Wohngebäude dürften im Einzugsbereich des Klosterhofes sowie auf der kleinen Erhebung des heutigen »Rech« gestanden haben, die damit eine kleine Ansiedlung bildeten. Ob vielleicht sogar ein fränkischer Edler mit Namen »Buodo« als Namensgeber Pate stand, lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Mehr als 1000 Jahre entschieden die Äbtissinnen des Altmünsterklosters in Mainz direkt oder indirekt über das Dorf Budenheim und dessen Bewohner. Am 19. Juni 1563 traten die Nonnen Budenheim an das Mainzer Erzstift ab; das Dorf wurde von der Amtskellerei Eltville im Rheingau mitverwaltet. Budenheim gehörte nunmehr als einziger linksrheinischer Ort dem Rheingau an. Der Einfluss des Altmünsterklosters erlosch schließlich am 15. November 1781 mit der Übernahme des Klostervermögens durch den Universitätsfond in Mainz.
Die landwirtschaftliche Zuordnung Budenheims als Obst- und Blütengemeinde, wie sie gerne genannt wird, kann sie nur bedingt für sich in Anspruch nehmen. Der Weinbau ist in Budenheim längst seit Anfang der 60ziger Jahre passee. Zwar gab es auch hier respektable Rebflächen, die jedoch nicht mit den größeren Anbauflächen von anderen rheinhessischen Gemeinden zu vergleichen waren. Vor 300 Jahren zählte Budenheim 200 Einwohner und formierte sich mit seinen Häusern um und auf der vorhandenen Erhebung des »Rech«, um von den meist im Frühjahr einsetzenden Rheinhochwassern nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Heute wird an gleicher Stelle seit dem Jahr 1978 das »Budenheimer Straßenfest« gefeiert, das aus Anlass der Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Bestehen Budenheims ins Leben gerufen wurde. Weit über die Gemeindegrenzen hinweg ist auch das Budenheimer Blütenfest bekannt, das erstmals am 23. und 24. April 1955 mit der Wahl einer Blütenkönigin stattfand. Nach einer 6-jährigen Pause wird dieses Fest seit dem Jahr 1998 wieder jährlich gefeiert. Die Budenheimer Kerb (Kirchweih) geht ursprünglich auf die Einweihung der katholischen Pankratiuskirche am 3. September 1747 zurück. Die Budenheimer Kerb feiert man allerdings am dritten Wochenende im September am Rheinufer, auf dem »Isola della Scala Platz«.Die Pankratiuskirche gilt als Budenheimer Wahrzeichen, die heute als Ort der Begegnung genutzt wird. Zuweilen finden darin verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen statt und zu besonderen
Anlässen werden darin auch noch Gottesdienste abgehalten. Die Bindung zwischen bürgerlicher und kirchlicher Gemeinde wird im Budenheimer Ortswappen sichtbar. Im Wappen auf rotem Grund ist der Patronat »Pankratius« abgebildet, der mit Schwert, Wappenschild und Kreuzfahne als Ritter dargestellt ist. In einer ähnlichen Darstellung wird er bereits auf einem Gerichtssiegel aus dem Jahr 1566 gezeigt, mit dem der Waldvertrag zwischen Budenheim und Mombach besiegelt wurde.
Mit dem Bau der Hessischen Ludwigsbahn von Mainz nach Bingen im Jahre 1856 trat auch gleichzeitig eine deutliche Strukturwende für Budenheim ein. Einmal war es der Schienen- und zum anderen der Wasserweg auf dem Rhein, der die Industrialisierung Budenheims begünstigte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich vereinzelte Handwerksbetriebe ansässig, meist verdiente man allerdings seinen Unterhalt mit und in der Landwirtschaft. Mit dem großtechnischen Kalksteinabbau durch die »Bonner Portland-Zementwerke« im Jahr 1856 war eine weitere Verdienstmöglichkeit gegeben. Durch den Abraum im Budenheimer Steinbruch legte man aber auch fossile Funde frei, die von großer naturwissenschaftlicher Bedeutung waren. Dazu zählte auch im Jahre 1911 die Entdeckung eines „Protaceratherium minutum“, eine Nashornart, die etwa vor 24-20 Millionen Jahren in der tertiären Zeitstufe des „Miozän“ in Europa beheimatet war. Das vorzeitliche Nashorn ist heute im Senkenbergmuseum Frankfurt oder als Kopie im Naturhistorischen Museum Mainz als »Budenheimer Nashorn« zu sehen. Der Abbau des Kalksteins begünstigte die Gründung der »Portland-Zementwerke« im Jahr 1875; im gleichen Jahr errichtete »Rudolf Sperling« eine Produktionsstätte am Rheinufer. Die zeitliche Entwicklung hatte das wirtschaftliche Gefüge Budenheims ins Wanken gebracht.
Die Einwohnerzahl des kleinen Dorfes war im Jahr 1900 bereits von 518 auf 1800 Einwohner angewachsen. Firmengründungen wie die »Flaschenfabrik Kupferberg« im Jahr 1904 folgten, die als Glashütte Budenheim mittlerweile stillgelegt ist. Es folgte die »Chemische Fabrik Budenheim Utz und Hensel« im November 1908, die heutige Chemische Fabrik Budenheim KG, die in ihrem Firmenlogo den Namenszug »Budenheim« führt. Hinzu kommt die Gründung der Blechfabrik Jakob Berg im Jahr 1926, die nunmehr als »BERICAP« ebenfalls weltweit agiert. Der Schritt zu einer fortschrittlichen Industriegemeinde war getan. Die Erschließung von neuen Wohngebieten ließ nicht lange aufwarten. Budenheim weitete sich zuerst in südwestlicher Richtung aus und war im Jahre 1930 bereits auf 3070 Einwohner angewachsen. Das erste Wohnhochhaus entstand 1962 in der Jahnstraße, Budenheim zählte zu diesem Zeitpunkt etwa 6000 Einwohner. Heute leben auf einer 153 Hektar großen bebauten Fläche 8666 Bürgerinnen und Bürger, für die Budenheim zur Heimat geworden ist. Dies ist aber auch in der geographischen Lage gegeben. Zum einen wird die Gemeinde südlich und westlich vom angrenzenden Lennebergwald umschlossen und an der Nordflanke grenzt die Gemeinde an den Rhein. Als Naherholungsgebiet sehr geschätzt, stellt der 630 ha große Lennebergwald, der zu zwei Drittel zur Budenheimer Gemarkung gehört und ein Eldorado für viele Erholungssuchende darstellt. An der Gemarkungsgrenze zu Mainz-Gonsenheim stehen die beiden Wendelinuskapellen (die kleinere wurde im Jahr 1776 wieder aufgebaut und die größere im Jahr 1866 errichtet), zu denen jährlich am dritten Sonntag im Oktober die Budenheimer Wallfahrt, als Wendelinuswallfahrt hinführt. Nicht zu vergessen der, auf dem 176,8 m hohen Lenneberg, im Jahr 1880 erbaute Lennebergturm, von dem man einen herrlichen Rundblick genießen kann. Im Wald gegenüber erhebt sich das im Jahre 1910 fertig gestellte Schloss Waldthausen, das seit 1988 als Sparkassenakademie genutzt wird. Am Budenheimer Rheinufer ist ein familiengeführter Fährbetrieb ansässig, der das rheinhessische Budenheim mit dem Rheingau näher rücken lässt. Eine willkommene Einrichtung, die von den zahlreichen Radwanderern in Anspruch genommen wird. Mit der Umwidmung des ehemaligen und 120 Hektar großen
Steinbruchgeländes zum »Freizeit-, Sport- und Erholungspark Lenneberg« im Jahr 2006 und in der darin angelegten 9-Loch bzw. 18-Loch-Golfsportanlage wurde eine naturbelassene Attraktion geschaffen.
Von der Expansion Budenheims blieb auch die katholische Kirchengemeinde nicht verschont, die sich im Jahr 1960 zum Neubau einer größeren Kirche, der »Dreifaltigkeitskirche«, entschließen musste. Die evangelische Kirchengemeinde, verfügte bis zum Jahr 1913 lediglich über einen kleinen Gebetssaal, den Hermann Volkenborn in seiner Wohnung in der Hauptstraße zur Verfügung gestellt hatte. Er war es auch der den Neubau einer eigenen Kirche forcierte, die im Jahr 1913 eingeweiht wurde. Ihm zu Ehren wurde der Platz vor der Kirche im Jahr 2008 zum »Hermann-Volkenborn-Platz« benannt. Die bürgerliche Gemeinde Budenheim benötigte für den zunehmenden Verwaltungsablauf ebenfalls größere Räumlichkeiten. Im Jahr 1967 wurde das neue Rathaus in der Berliner Straße erbaut. Bis zum Jahr 1978 führte dort Bürgermeister Erwin Renth die Amtsgeschäfte, der dann von Franz Bopp abgelöst wurde, der dieses Amt bis zum Jahr 1998 inne hatte.
Seit 1998 lenkt Bürgermeister Rainer Becker die Geschicke der verbandsfreien Gemeinde Budenheim. In der Zwischenzeit war ein Waldschwimmbad (1975), eine Waldsporthalle (1977) und ein Bürgerhaus (1997) am Waldrand gebaut worden. Die Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses (1986) und eines angrenzenden Bauhofes der Gemeindewerke Budenheim (1989) folgten. Auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Jakob Berg entstand im Jahr 1996 ein zeitgemäßes Wohnparkgelände, das durch ein Angebot für Senioren im »Seniorentreff 60plus« ergänzt wurde. Gewidmet ist diese Wohnanlage dem einstigen
Bürgermeister Erwin Renth (1957 - 1978). Er war es auch, der die freundschaftliche Verbindung mit André Petit, dem Bürgermeister der französischen Stadt Eaubonne, im Val d' Oire, im Jahr 1968 schloss. Bürgermeister Franz Bopp (1978 - 1998) eiferte seinem Vorgänger nach. So kam es am 4. Mai 1991 zur Städtepartnerschaft zwischen Budenheim und der italienischen Stadt Isola della Scala aus der Provinz Verona. Bürgermeister Rainer Becker (seit 1998) pflegt recht intensiv diese Städtepartnerschaften, hinzu kommen die freundschaftlichen Bande zur ostfriesischen Stadt Wiesmoor, zu den thüringischen Gemeinden Walschleben und Witterda sowie zu der Tiroler Gemeinde Niederthai. Das gesellschaftliche Leben Budenheims wird u.a. durch ein vielseitiges Freizeitangebot geprägt, das von den 37 Budenheimer Ortsvereinen mitbestimmt wird. Zukunftsweisende Schritte wurden mit der Schaffung einer Ganztagsschule innerhalb der »Lenneberg-Schule« im Jahr 2005 angegangen. Bestandteil dieser schulischen Einrichtung ist eine eigene Mensa mit Küche sowie eine große Sporthalle mit angrenzendem Kleinspielfeld. Seit dem Jahr 2009 verfügt die »Lenneberg-Schule« in Kooperation mit der »Lemmchen-Schule« in Mainz-Mombach über eine »Realschule plus«. Gegenüber wird im Jahr 2009 ein »Altenwohn- und Pflegeheim« mit 64 Betten seinen Betrieb aufnehmen. In der sanierten alten »Gemeinde Schule« ist seit dem Jahr 2008 ein Heimatmuseum der Gemeinde Budenheim eingerichtet.Die verkehrsberuhigten Straßen mit den integrierten Pflanzinseln nehmen sich im Ortsbereich als reizvolle Ergänzung zu den gepflegten Vorgärten aus. Wer in Budenheim übernachten möchte, kann die Angebote von den ortsansässigen Hotels und Gasthäusern in Anspruch nehmen.
